Marktkommentar

Weiterhin steigende Nachfrage nach Privatkrediten

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Apr 05, 2026

Die Nachfrage nach Privatkrediten steigt weiter an. Australische Pensionskassen gehören zu den jüngsten Einsteigern in dieses Geschäft. Unterdessen verzeichnen auch Immobilienkredite aufgrund derselben Faktoren, die den übrigen Markt antreiben, einen Anstieg: die Erwartung anhaltend hoher Zinsen und eine reduzierte Kreditvergabe der Banken.

Weiterhin steigende Nachfrage nach Privatkrediten

Der Bereich Private Debt ist in den letzten 10 Jahren massiv gewachsen. Die Banken haben die Kreditvergabe für gewerbliche Zwecke eingeschränkt, nachdem die Aufsichtsbehörden nach der globalen Finanzkrise die Regulierung verschärft hatten. Auch die steigende Inflation nach der Pandemie, welche die Zinsen deutlich in die Höhe trieb, hat die Nachfrage nach ausserhalb des Bankensektors vergebenen Krediten weiter angekurbelt. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts PitchBook Data stieg das Volumen dieser Kredite 2023 auf den höchsten Stand seit mindestens 20 Jahren. Direktfonds erreichten im vergangenen Jahr ein Vermögen von mehr als USD 540 Mrd., verglichen mit USD 70,8 Mrd. vor 10 Jahren. Allein im letzten Jahr dürften Unternehmen über USD 200 Mrd. für Privatkreditfonds aufgebracht haben.[1]

Aufgrund der relativ hohen Renditen ist die Nachfrage von Anlegerinnen und Anlegern nach Privatkrediten gross. Die Renditen von Private-Debt-Fonds übertrafen jene von Private-Equity-Fonds im 3. Quartal 2023 (dem letzten Zeitraum, für den Daten verfügbar sind) zum zweiten Mal in Folge. In der Vergangenheit erwarteten Anlegerinnen und Anleger von Private Equity höhere Renditen, da diese Anlagen von Natur aus risikoreicher sind.

Privatkredite nehmen in Australien Fahrt auf, während die Nachfrage nach Anleihen nachlässt

Das Interesse australischer Pensionskassen an Anlagen in Privatkredite hat zuletzt deutlich zugenommen. Nach einem Bericht von Bloomberg verlieren Anleihen für Vorsorgeeinrichtungen aufgrund der hohen Zinsen an Attraktivität. So plant beispielsweise der Construction & Building Unions Superannuation Fund (Cbus), der ein Gesamtvermögen von AUD 90 Mrd. (USD 59 Mrd.) verwaltet, seine globale Allokation in Privatkrediten in den nächsten 18 Monaten zu verdreifachen. Auch der Hostplus Superannuation Fund, der rund 1,7 Millionen Mitglieder hat und ein Vermögen von mehr als AUD 100 Mrd. (USD 66 Mrd.) verwaltet, will seine bereits rekordhohen Bestände in dieser Anlageklasse weiter aufstocken.

Darüber hinaus hat Australiens grösster Rentenverwalter AustralianSuper, der ein Vermögen von AUD 300 Mrd. (USD 199 Mrd.) verwaltet, weltweit über AUD 7 Mrd. (USD 4,5 Mrd.) in Privatkredite investiert. AustralianSuper will sein Engagement in den kommenden Jahren durch eine Kombination aus direkter Kreditvergabe durch das hauseigene Private-Credit-Team und strategischen Partnerschaften mit erstklassigen spezialisierten Managern verdreifachen.[2],[3]

Die attraktiven Renditen sind einer der ausschlaggebenden Faktoren für diese Pensionskassen. Bloomberg zitiert Brett Chatfield, Chief Investment Officer bei Cbus in Melbourne, mit den Worten: «Es gibt immer noch sehr gute Möglichkeiten, Renditen im niedrigen zweistelligen Bereich zu erzielen.» Im Vergleich dazu rentierten Investment-Grade-Anleihen aus den USA Anfang April im Durchschnitt mit 5,4%, nach einem Rückgang von einem 52-Wochen-Hoch bei 6,4%.

Boom bei direkten Immobilienkrediten

Die Faktoren, welche die Nachfrage nach Privatkrediten antreiben, sind im Bereich Real Estate besonders ausgeprägt. Seit 2022 schmälerten höhere Zinsen, zunehmend vorsichtige Kreditgeber und sinkende Immobilienpreise die Renditen. Zudem müssen fällig werdende Kredite, die bis Ende 2028 bei Gewerbeimmobilien allein in den USA auf USD 2,8 Bio. geschätzt werden, dringend refinanziert werden.[4]

Vor diesem Hintergrund eröffnen sich für alternative Kapitalgeber Möglichkeiten, Kredite für hochwertige Immobilien in guter Lage zu attraktiven Renditen und Konditionen zu vergeben. Die Aussichten für Real Estate werden sich ausserdem möglicherweise verbessern, da die Zinsen in den Industrieländern in der zweiten Jahreshälfte sinken dürften. Steigende REIT-Kurse und sich verengende Kreditspreads sind weitere gute Zeichen, da sie traditionell einen Aufschwung in diesem Sektor ankündigen.

Die Vergabe von Privatkrediten für den Real-Estate-Sektor nimmt weltweit zu, da Pensionskassen, Staatsfonds und Versicherungsgesellschaften auf solide Renditen angewiesen sind, die auf den Anleihen- und Aktienmärkten aktuell kaum zu finden sind. Im November letzten Jahres zitierte Reuters beispielsweise eine Aussage von Paul Notaras, Executive Director bei Barings Real Estate Australia, nach der Anlegerinnen und Anleger Renditen von 9% bis 11% erwarten könnten. Zusätzliche Sicherheit geniessen sie durch Kredite, die mit Sachwerten wie Eigentumswohnungen oder Lagerhäusern besichert sind, oft mit einem Eigenkapitalpuffer von 30% bis 40%.[5]

Es gibt keine Anzeichen dafür, dass der Boom bei Privatkrediten zu Ende geht. Vielmehr scheint das Interesse zuzunehmen, da grosse institutionelle Vorsorgeeinrichtungen diesen Sektor stärker ins Visier nehmen. Ausschlaggebend für sie sind insbesondere die Renditen, die auch in Zukunft attraktiv bleiben dürften, da die Zinsen weltweit voraussichtlich deutlich über dem Niveau vor der Pandemie verharren dürften.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Die Nachfrage nach Privatkrediten steigt nach wie vor an, da die Banken ihre Kreditvergabe einschränken und anhaltend hohe Zinsen zu erwarten sind.

  • Im Bereich Real Estate herrscht besonders grosses Interesse, was zum Teil auf den dringenden Refinanzierungsbedarf zurückzuführen ist.

  • Wir gehen davon aus, dass sich das Wachstum fortsetzen wird, da die Zinsen weltweit voraussichtlich deutlich über dem Niveau vor der Pandemie verharren werden.

 

Quellen

[1] WSJ

[2] Bloomberg

[3] Churchill

[4] Hospitalitynet

[5] Reuters

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